2022-07-01 bis 03: Lechtal die Dritte

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Nach dem Lechtal-Trip 2021 in eher kleinem Kreise zeichnete sich dieses Jahr eine Rekordbeteiligung beim Einsteigertrip ab: Sage und schreibe elf WHW-Paddler trafen sich Anfang Juli am Lechtal Camp Rudi, um bei entspanntem Wildwasser an der Technik zu feilen oder einfach nur die tolle Kulisse zu bestaunen. Und wer glaubt, dass Eds völlig unnötig gebrochenes Paddel mitsamt Schwimmer vom letzten Jahr die größte Chaosaktion ist, die wir bei WWI veranstalten können, unterschätzt uns gewaltig.


Bereits am Donnerstag mit allem Material angereist, breiteten Rob und Simon unter argwöhnischen Blicken vier nicht kleine Zelte und einen gigantischen quietschgelben Pavillon aus, während Jutta und Marianne sich in einem Holzhüttchen auf dem Platz niederließen. Bei der Anreise zeichnete sich schon ab, dass der leichte Regen den Lech gruselig-grau einfärben würde, obgleich der dürftige Pegel kaum anstieg.

 

 

 

 

 

 

Freitag, 01.07.2022 – Lech von Camping Rudi bis Mündung Namlosbach

  • Abschnitte:
    • Camping Rudi bis Mündung Namlosbach (8 Paddler)
    • Kirche Bach bis Camping Rudi (3 Paddler)
  • Pegel Grießau 120, 125cm
  • 10km WW I-II, 10km WW II
  • Paddler:
    • Rumi, Jutta, Marianne, Marcus, Seb, Mira, Simon, Rob
    • Rumi, Simon, Rob (zweiter Run)
  • Vereinskilometer: 110

Bei niedrigem Pegel (super zum Einstieg) und dennoch grauer Wasserfarbe wirkte der Lech bedrohlicher als er tatsächlich war. Besonders fies war, dass Hindernisse unter Wasser in der Brühe nicht sichtbar waren und so von unseren Wildwasser-Neulingen große Kraftanstrengung gefordert waren.  Auch den einen oder anderen Schwimmer durften wir erleben, doch waren Badende und Material immer schnell eingefangen und zusammengeführt. Zugegeben, es gibt schönere Bedingungen, unter denen man ins Wildwasserpaddeln einsteigen kann, aber bei Rob und Simon gibt es eben nur Regen, Hochwasser und Schlammflüsse :).

Abends holte Rob das Auto mit dem Bus zurück während die Crew, auch schon fast traditionell, die Linsen und Spätzle aufwärmte, die Simon eimerweise vorgekocht und mitgebracht hatte. Mit Chris, Markus und Julia, die uns für die restlichen zwei Tage verstärken wollten kam noch ein bisschen Regen mit.

Samstag, 02.07.2022 – Lech von Steeg bis zum Camp Rudi

  • Abschnitt:
    • Ende der Sperrstrecke in Steeg bis Camp Rudi
  • Pegel Grießau 120cm
  • 21km WW I, II
  • Paddler:
    • Rumi, Jutta, Marianne, Marcus, Seb, Simon, Rob, Markus, Julia, Chris
  • Vereinskilometer: 210

Nach dem nächtlichen Regen war für Samstag Kaiserwetter angesagt. Wir entschieden uns, die 20km von Steeg bis zum Campingplatz als Tagestour zu paddeln, viel zu üben und das Kaiserwetter bei Picknick und bachgekühlten Büchsen zu genießen.

Was soll man sagen? Ein traumhafter Paddeltag bei bestem Wetter. Man konnte unsere zehn Boote starke Plastik-Kolonne von weitem hören. Die einen riefen unentwegt „Weeeit raus, Kaaaante, und Boooogenschlag, Paddeln, PAD-DELN“, die anderen machten „huiiii“, während sie mit versenktem Heck Pirouetten drehten und bei allen hörte man förmlich den Schweiß aus allen Poren sprühen. Auch Marianne und Jutta zirkelten entgegen der Vereinstradition sehr fein durch die Kehrwasser.

Die erste Hälfte der Gruppe hatte sich bereits zum Picknick auf einer Kiesbank niedergelassen, als Julia von oben angeschwommen kam. Der Rettungswille der Picknicker war eher mäßig und erst als sie etwas strenger ins Pfeifchen blies, erbarmte sich Rob, sie aus dem Wasser zu fischen. Simons Herz machte einen großen Hüpfer, endlich Badezeit! Prompt drehte er 7 Ründchen durch den Lech und ließ jeden mal den Sack nach ihm schleudern. Wer noch nie einen Schwimmer aus der Strömung gezogen hatte, staunte nicht schlecht, welchen Ruck es tut, wenn einer am Seil hängt.

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Während die obere Teilstrecke mit einem kleinen Blockparcours und anderen tollen Übungsstellen sehr zum Verweilen einlädt, spulten wir die zweite Hälfte etwas zügiger ab. Hier gab es einen herrlich überspülten Stein zum Boofen, den Seb, mittlerweile Kehrwasserkönig, auch mitnahm. Nur hatte ihm keiner erklärt, dass man boofen, oder zumindest paddeln sollte. Im Schäumchen hinter dem Steinchen verschwand er kurzzeitig, nur um dann beinahe Senkrecht herausgeschossen zu werden. Ein Meister in nautischer Dramaturgie!

Nach 5 Stunden Spiel und Spaß kamen wir im Camp an und fuhren zum schwarzen Adler, bei dem zelteweise entschieden wurde, wer in den Genuss der leckeren Knoblauchsuppe kam.

Sonntag, 03.07.2022 – Bregenzer Ache von Camp Doren bis Stauwehr Kennelbach

Rob und Simon waren auf der Suche nach einer schönen Strecke, die der Gruppe nochmal einen anderen Eindruck vermitteln würde als das offene Kiesbett des Lech. 2019 war das noch die oberste Isar das Highlight gewesen, 2021 war wegen Hochwasser nicht viel zu holen und dieses Mal waren die meisten Bäche trocken.

Telefonjoker Michel und Jonas von den Ulmer Paddlern brachten die untere Bregi ins Spiel, die auch noch bei müden 11m3 ein paar Übungsstellen in einer imposanten tiefen Schlucht bereit hält. Egal wohin es gehen sollte, gestaltete sich der Weg aus dem Tal aufgrund des Radmarathons (Lechtal, Bregenzerwald, Tannheimer Tal) äußerst zäh.

  • Abschnitt:
    • Bregenzer Ache von Camp Doren bis Kennelbach
  • Pegel Kennelbach 11m3 (darf nicht weniger sein!)
  • 8km WW I, II
  • Paddler:
    • Rumi, Marcus, Seb, Simon, Rob, Markus, Julia, Chris
  • Vereinskilometer: 64

Die Schlucht der unteren Bregenzerache ist wunderschön und in weiten Teilen abgelegen. Nicht abelegen genug, dass sich nicht einzelne Erholungssuchende auf die Felsen und Kiesbänke am Wasser verirren würden, doch abgelegen genug, dass man diese häufig nackt vorfindet.

Für eine durchgehend spaßige Befahrung hätte es gut doppelt so viel Wasser sein können. Nichtsdestotrotz fanden wir drei ansprechende Übungsstellen, an denen wir surfen, traversieren, kerzen und baden konnten was das Material hergab. Leider konnte in unserem jugendlichen Eifer ein Rocksplat an einem bemoosten Felsen nicht verhindert werden, sodass der frisch geschweißte Rexy erneut einriss und mit Tape versorgt werden musste.

Wir hatten bereits spät unsere Tour gestartet, weil der Umsetzer ein langes 25-30 minütiges Gegurke vom Bach hoch zur Hauptstraße und dann wieder runter zum Bach war, was ohne Fahrer ein Hindernis für die Befahrung dieser Strecke sein kann. Vom Wehr in Kennelbach sind es dann noch 500, andere sagen 1000m zum Parkplatz. Wir schickten Rob, Marcus und Julia ohne Boote vor, damit sie schnell die Autos holen konnten. Nicht schlecht staunten sie als Rob nach 5 Minuten ohne Auto zurück kam: Julia hatte einen Platten Reifen, der ADAC würde noch anderthalb Stunden brauchen und irgendwie müssten Marcus und Rob jetzt zum Einstieg kommen.

Es fährt ein Bus. Nummer 25. Dieser hält weit oberhalb von Kennelbach (300 Höhenmeter?) und weit oberhalb des Einstiegs am Sportplatz in Doren. Schuhe hatten wir in den Autos wir am Einstieg gelassen, denn die braucht man ja nicht. Super! Hochkonzentriert darauf, beim steilen Aufstieg nicht aus Markus Latschen, Größe 48, zu kippen, merkte Rob nicht, dass ein Emu jenseits eines kleinen Zauns mit langem Hals überlegte „kann man das essen?“. Erst als Rob mit großen Augen das neugierige Vieh bemerkte, rannte der Vogel zu seinen Artgenossen.

Als Rob und Marcus mit den Autos zurück in Kennelbach ankamen, war der Rest der Crew auch schon etwas vorangekommen: Julia und Markus wurde ein Hotel in Bregenz gestellt, während das Auto in der Werkstatt blieb. Der Rest verteilte sich auf die übrigen zwei Autos und fuhr, wieder einmal viel zu spät durch die Nacht gen Heimat.