2024-06-15 bis 22 Slowenien von seiner schönsten Seite

Dieses Jahr wurde die Pfingstfahrt auf eine Woche ohne Ferien gelegt mit dem Ziel, die Paddel-Wochenenden zu entzerren und die Peak-Reisezeiten zu umgehen. Außerdem war das Durance-Gebiet angepeilt, in welchem letztes Jahr auf den meisten Schmelzbächen noch zu hohe Wasserstände angetroffen wurden, sodass viele klassiche Etappen nicht befahren werden konnten. Der Plan war, durch einen späteren Trip moderatere Wasserstände vorzufinden.

Aber warum eigentlich Slowenien statt Durance wie geplant? Wir hätten gerne das Durance-Gebiet mitgenommen, doch war kein ortskundiger Paddler dabei. In Frankreich waren die Anfahrten zu den Flüssen lang und beinahe jeder Fluss hat bei jedem Pegelstand paddelbare und weniger paddelbare Abschnitte. Nur mit Armins und Volkers Ortskenntnis haben wir uns letztes Jahr ewiges Scouten und frustrierende Anfahrten zu übervollen oder leeren Bächen gespart und konnten eine vielzahl abwechslungsreicher Strecken befahren. Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen und haben uns auf Slowenien als sichere Bank geeinigt. Zum Glück: die Schönwetter-Paddelgruppe genoss eine Woche Kaiserwetter bei 25-30°, strahlendem Sonnenschein und idealen Wasserständen, während in Frankreich Land unter war!

Die Anreise wurde wie immer freestyle gestaltet: Rob und Simon erlebten während des EM-Auftaktspiels (Deutschland-Schottland), dass die A8 auch leer sein kann (nicht mal Stau in Pforzheim!!). Tobias als früher Vogel nahm noch ein Familienfest in München mit, während Ute und Ronja mit Jürgen eher die Taktik „später Wurm“ verfolgten, hinter dem Stau fuhren und das riesige und luxuriöse Camp Sobec um 22:58 Uhr erreichten – sehr zum Leid des Rezeptionisten, der um 11 Uhr Feierabend hat.

Die Zelt-Fraktion buchte ein voraufgebautes Holländer-Zelt auf dem Campingplatz, welches mit Gas, Strom, Kühlschrank und Sizgarnitur genauso viel kostet, wie ein Platz auf der Zeltwiese. Der Rest vom Fest parkte die Vans in unmittelbarer Nachbarschaft, sodass wir einen schönen gemeinsamen Lagerplatz hatten.

So, 16.06.2024 – Sava Dolinka um den Campingplatz

Erster Tag, lässigen home run ausprobieren. Start war ca. 7km oberhalb des Campingplatzes an einer Brücke in der Nähe des „Adventure Rafting Bled“. Dieser Abschnitt hat keine nennenswerte Verblockung, immer wieder einen kleinen Schwall, ab und zu ein Kehrwasser. Nach der Brücke beim Campingplatz ist eine Stufe im Fluss, die bei viel Wasser an einigen Stellen einen langen Rücklauf hat und entweder mittig oder ohne Probleme ganz links befharen werden kann. Achtung, in der direkt darauffolgenden, weniger rückläufigen Stufe scheinen ganz links Eisenträger herauszuschauen. Spätestens ab dem Zusammenfluss mit der Sava Boninjka ist die Sava bis zum Tinaraft-Ausstieg ein Wanderbach mit flotter Strömung.

Abschnitt:

  • Sava Dolinka ab Brücke Breg (Adventure Rafting Bled) bis Tinaraft (Fuxova Brv Hängebrücke)
  • Pegel Blejski Most knapp 40m3/s, Mittelwasser
  • 11km WW II
  • 7 Paddler
  • 66 Vereins-km

Abends mussten wir uns dann Gedanken machen, wie wir die übrigen zwei Paddeltage in der Region verbringen wollen. Die klassischen Wildwasser-Etappen an der Radovna und an der unteren Sava Bohinjka (mit dem Todes-Felsen) waren beide gesperrt: Radovna scheinbar dauerhaft aus Naturschutz und Bohinjka vorübergehend, weil ein neuer Radweg am/im Fluss gebaut wird. Die 2006 befahrene wunderschöne Kaminska Bistrica führte zu wenig Wasser und die Savinja mit ihrem schweren Katarakt und einer 2-3er Strecke war zwei Stunden entfernt und 2023 durch ein Jahrhunderthochwasser komplett umgebaut worden. Da wären wir schneller zur Soca gekommen.

Mo, 17.06.2024 – Sava Bohinjka ab Bohinj See

Aus diesem Grund und aus Mangel an Alternativen wurde Montag zum Urlaubstag erklärt. Wir brachen recht spät auf in Richtung Bohinj-See und konnten aus dem Stau unterwegs noch Bled und seinen See bestaunen (Jonas: „Das muss man gesehen haben, See mit Schloss und Zeug“).

Montag war der erste richtig sonnige und heiße Tag, sodass der See eine willkommene Abkühlung darstellte, in dem gerollt, geschwommen und geplanscht wurde, bevor es an seinem Südostufer in die glasklare Sava Bohinjka geht. Auf dem ersten Kilometer noch mit schöner flotter Strömung durch eine malerische Waldklamm (WW2) und danach ein Wanderbach mit schönem Wasser und schöner Landschaft.

Die Befahrung der Sava Bohinjka ist ähnlich wie die der Soca reguliert und wir mussten am Einstieg für 2 Euro pro Person Lizenzen kaufen. Es wurde uns unmissverständlich klar gemacht, dass eine Befahrung nur bis Punkt 11 möglich sei, einer Brücke vor dem Ort Bitnje, was auch deutlich durch Beschilderung am Fluss erkennbar war. Auf dem letzten Stück des Flusses mussten zumeist an Brücken einige kleine Schwellen befahren werden. Bei vielen gab es eine Bootsgasse, nur bei der letzten lohnt sich ein bisschen Tempo oder ein Boof.

Abschnitt:

  • Sava Bohinjka ab See (Ribcev las) bis Aus 11, Brücke vor Bitnje
  • Pegel Sveti Janez 11m3/s, NW
  • 1km WW II, dann 6km WWI mit kleinen Wehrstufen
  • 7 Paddler
  • 42 Vereins-km

 

Tobias, Jonas und Rob wurden auf dem Heimweg an der Sava Dolinka rausgelassen und paddelten bei etwas höherem Wasserstand bis zum Camp, während der Rest nach einem Bad im Bleder See direkt in den Urlaubsmodus überging.

Abschnitt:

  • Sava Dolinka ab Brücke Breg (Adventure Rafting Bled) bis unterer Ausstieg Camp Sobec
  • Pegel Blejski Most knapp 47m3/s, Mittelwasser
  • 7km WW II
  • 3 Paddler
  • 14 Vereins-km

Di, 18.06.2024 – Überfahrt nach Bovec, Schlangensee und Koritnica

Das Sava-Gebiet hatte aufgrund der Sperrungen leider deutlich an Attraktivität und Optionen eingebüßt (es waren außer uns auch keine Paddler unterwegs), sodass wir beschlossen, am Dienstag direkt über den Predil-Pas nach Bovec zu fahren und auf dem Weg die Koritnica bis zum Campingplatz zu paddeln. Auf dem Weg, so Tourismusbeauftragter Jonas, lag noch ein kleiner Karstsee, aus dem die Sava Dolinka entspringt und der es in die Liste der Windows-Sperrbildschirme geschafft hatte.

Zwei Forellen in ihrem See mit Blick auf die Berge.

Warnung vor geometrisch unmöglichen Schlangen, die wie Hundehaufen aussehen.

Wir waren alle schon hundertmal dort gewesen und doch fluchten wir über die Schlepperei zum Einstieg der Koritnica. Absolut lohnenswert. Das Wasser war zwar milchig trüb, doch dafür war die Koritnica gut eingeschenkt und wies einen mittleren Wasserstand auf. Die Klammeinfahrt war äußerst spritzig aber fair und für alle gut machbar. Danach folgte bestes Genusswildwasser im dritten Grad mit unzähligen angespülten Steinen und Kehrwassern zum Stylen.

Abschnitt:

  • Koritnica ab Einstieg Kluze bis Soca-Mündung
  • Pegel Krsovec (Soca-Ersatz) 17m3/s, Koritnica ca. 10m3/s, MW
  • 5km WW II-III (Klammeinfahrt III)
  • 7 Paddler
  • 30 Vereins-km

Im Camp angekommen wurde alles aufgebaut, Curry-Reste gesnackt und Rob und Ronja schwärmten eine Stunde lang über den guten Wasserstand, das gute Bier und die guten Burger bei Prijon, bis es zu spät wurde, bei gutem Wasserstand zu Prijon zu paddeln, um Bier und Burger zu konsumieren. Klassiker (übrigens: bei Prijon gab‘s nur Drinks, kein Essen).

Mi, 19.06.2024 – Gärtner Gedächtnistag: 2. Klamm bis Trnovo.

Ute hatte nicht geahnt, was sie meinte, als sie Rob und Ronja mit den Worten „keine Sorge, morgen werdet ihr schon genug paddeln“ tröstete und den nächsten Paddeltag plante. Wir befuhren die Soca von der zweiten Klamm bis zum Ende der Friedhof-Strecke. An der zweiten Klamm ist mittlerweile der Parkplatz durch „easyPark“ reguliert und kostet 5 Euro pro Stunde. Außer, wie man einem slowenischen Schild entnehmen kann, wenn man einen Kajak-Permit in die Windschutzscheibe legt. Leider waren unsere Permits elektronisch  und auch in EasyPark führte die Option „I have a permit“ zu einer Fehlermeldung. Wir legten also einen handgeschriebenen Zettel „wir sind Paddler und haben einen Permit“ in die Windschutzscheibe und booteten ein.

Nach etwa 10km, bei Prijon angekommen, fiel es Ute wie Schuppen von den Augen: Zwischen der oberen Soca und dem Friedhof lagen noch 10km WW I, die sie verdrängt hatte. Sie verhängte ein absolutes Kehrwasserverbot und so schafften wir es in einer Stunde zum Friedhof. Dort war der Fluss mit 40m3 (Pegel Kobarid, also etwas weniger) gut eingeschenkt und viele Kehrwasser waren deutlich giftiger als man sie von Niedrigwasser kennt. Und hinter Steinen, die man sonst wunderbar anschanzen kann, verbargen sich teilweise Löcher, in die man nach 20km Paddeln nicht hineinspringen wollte. Es saugte jedenfalls auch den Creekern kräftig am Heck die schönen Linien weg, sodass der Friedhof weitgehend spielfrei aber dafür ohne Zwischenfälle zügig befahren wurde. Angesichts des Pegels, fortgeschrittener Stunde und leerer Akkus verzichteten wir auf eine Befahrung der Slalomstrecke.

Abschnitt:

  • Soca von 2. Klamm bis Ende Friedhof
  • Pegel Krsovec (Soca-Ersatz) 16.5m3/s,Kobarid 40m3/s, NMW oben, MW in Schlucht ab Srprenica
  • 24km unterschiedlicher Schwierigkeiten:
  • Bunker, Felssturz, 3. Klamm WW III-IV mit Fließstrecken dazwischen; bis Prijon WW II, ab Prijon WW I, ab Rafteinstieg WW II-III, Friedhof III-IV
  • 7 Paddler
  • 144 Vereins-km

Es wurde zackig umgesetzt, sodass wir fast pünktlich um 18 Uhr noch das Fußballspiel Deutschland-Ungarn ansehen konnten.

Do, 20.06.2024 – Koritnica und Friedhof

Nach dem unerwartet langen Paddeltag am Mittwoch wurden am Donnerstag nur noch die Rosinen herausgepickt. Erst wurde die Koritnica befahren und nach einer kleinen Mittagspause im Camp der Friedhof ab Rafteinstieg in Angriff genommen.

Auf der Koritnica lief alles etwas weniger rund bei weniger Wasser. Wir hatten uns vorgenommen, schöne Fotos zu machen aber an einer Stelle verkackte der Fotograph (Rob) und an der anderen Stelle fuhr der fotografierte nur Mist zusammen (Rob), sodass man ein Lächeln vergeblich sucht. Schade. Auf dem Friedhof lief es hingegen deutlich runder. Bei etwas weniger Wasser als zuvor waren Kehrwasser und Polster bereits freundlicher (vielleicht war auch die Streckenkenntnis etwas besser geworden), sodass die Gruppe etwas verspielter unterwegs war. Lediglich ein Schwimmer gegen Ende der Strecke sorgte für Schweiß: Rob, ganz vorne, sah das umgekippte Boot und eilte voraus, um sich ein Kehrwasser zu suchen und von dort aus mit Seil zu helfen. Der tapfere Gekenterte versuchte jedoch auf einer Strecke von 50m mindestens 10x zu rollen, sodass er erst weit jenseits der Seilsicherung aus dem Boot ausstieg und vom Rest der Gruppe gejagt wurde. Nach etwas Dschungel-Marsch waren Boot, Paddel und nicht-mehr-Schwimmer wieder zusammengeführt.

2024 06 15 bis 22 WHW Slowenien 001

Elegant auf glasklarem Wasser.

Abschnitt:

  • Koritnica ab Einstieg Kluze bis Soca-Mündung
  • Pegel Krsovec (Soca-Ersatz) 14m3/s, Koritnica ca. 8-9m3/s, NMW
  • 5km WW II-III (Klammeinfahrt III)
  • 6 Paddler
  • 30 Vereins-km

Abschnitt:

  • Soca von Rafteinstieg Srprenica I bis Ende Friedhof
  • Pegel Kobarid 37m3/s, MW
  • 5km WWII-III, dann WW III+
  • 7 Paddler
  • 30 Vereins-km

Fr, 21.06.2024 – 2. Klamm bis Prijon

Nach fast einer Woche strahlender Sonne stand die feuchte, warme Luft zwischen den Bergen des Socatals. Es sollte krachen und es lag drückende Schwüle in der Luft. Auch wenn wir uns nicht bis ans äußerste verausgabt hatten, spürten wir die zurückliegendne Paddel- und Campingtage und die Präzision ließ nach. Gleichzeitig hatte sich der Pegel in Kobarid nicht bewegt – auf der kurzen Abseilstrecke waren immernoch 36m³/s, sodass die Anfahrt und Schlepperei langer dauern würde, wie die Tour auf der eher kurzen und schwierigen Strecke. Wir einigten uns darauf, die Soca nochmal von der zweiten Klamm bis Prijon zu paddeln. Alle, deren Name mit J begann, setzten aus und hielten sich die Option für einen Nachmittagsrun offen.

Es ging gemütlich los. Der Wasserstand der oberen Soca lag mit 13m3/s deutlich über dem Minimum, doch im Vergleich zu 17, die wir zuletzt hatten, fühlte es sich an, als wären wir an der unteren Grenze. Erst beim Bunkerschwall wurde die Tour ein wenig belebter. Dies jedoch vor allem dadurch, dass sich Ronja im fast stehenden Wasser dem Bunkerschwall von ihrem Boot trennte und es allein vorfahren ließ. Nachdem dieses mitten im Schwall geborgen war, beobachteten wir eine kuriose Szene. Anstatt wieder einzusteigen, verschwanden Ute und Ronja mit den Booten in der Böschung und gestikulierten dabei erregt. Als die beiden 20 Minuten später fröhlich herunter gepaddelt kamen, war klar, Ronja wollte die Schmach nicht auf sich sitzen lassen und hatte hochgetragen, um den kompletten Katarakt zu befahren.

Beratung an der Klammeinfahrt

Spiel und Spaß nach der Klamm

Abschnitt:

  • Soca von 2. Klamm bis Prijon Cezsoca
  • Pegel Krsovec (Soca-Ersatz) 13m3/s, NW
  • 10km unterschiedlicher Schwierigkeiten:
  • Bunker, Felssturz, 3. Klamm WW III-IV mit Fließstrecken dazwischen; bis Prijon WW II
  • 5 Paddler
  • 50 Vereins-km

Das nachfolgende Bild vom Bunkerschwall enthält gleich zwei Fehler. Wer findet sie?

In diesem Bild sind gleich zwei Fehler versteckt. Wer findet sie?

Tag 7: Koritnica und Heimfahrt

Am Samstag reiste ein Teil der Gruppe bereits ab, während der Rest noch einmal die Koritnica befuhr. Fast komplett staufrei ging es zurück bis nach Heidelberg.

Übrigens hat es wohl zeitgleich im Durance Gebiet eher mieses Wetter und Rekordhochwasser gegeben. So gesehen alles richtig gemacht.

Unser Fazit:

  • Das Sava-Gebiet war dieses Jahr durch die Sperrung zahlreicher schöner Abschnitte nicht sehr attraktiv. Vielleicht hätte man weiter östlich die Bäche mit Locals erkunden können.
  • Die Soca hat sich von ihrer besten Seite gezeigt. Randvolle Karstquellen sorgten bei bestem Wetter für den richtigen Flow
  • Die Situation rund um die Permits: Ja, es ist teurer geworden. Der Wochenpass für alle fahrbaren Abschnitte kostet 66 Euro pro Person. Wir kamen für 4 bzw. 5 Paddeltage mit Tageskarten deutlich günstiger davon, weil der Permit ab der 2. Klamm bis Srprenica II insgesamt 3 Euro pro Tag kostet. Nur die Abschnitte ab Friedhof kosten 10 Euro pro Tag. Immernoch günstiger als die Strafzettel, die man in vielen Bayerischen Paddelrevieren kassiert, weil man nirgends stehen darf 👮‍♂️
  • In Bovec hat sich aus touristischer Sicht seit 2020 einiges getan: Es gibt zwei große neue Supermärkte außerhalb beim Flughafen. Viele öffentliche Parkplätze in und um Bovec sind nun kostenpflichtig. Schein

Die WHW-Truppe auf dem Bohinj See bei der Einfahrt in die Sava Bohinjka.